Warum kann ich meinen Blick nicht sehen?

Ausstellung21. 09. 2016

Ausstellung im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft
kuratiert von Prof. Judith Eisler

Warum können wir unsere Stimme hören, aber unseren Blick nicht sehen?

Karl Valentins Frage befasst sich mit der Unmöglichkeit, eine Fähigkeit, die wir brauchen und gebrauchen und nur selten hinterfragen, zu analysieren. Beim Hören hinterlassen Stimmen in unserer Umgebung akustische Spuren, die Tönen und Worten Form geben. Das Sehen hingegen entzieht sich einer reflexiven Distanz. Es gibt keine sichtbaren Spuren eines Moments, die unsere Wahrnehmung mit Simultanfeedback verankern können.

Die Herstellung von Bildern bietet eine Möglichkeit, Sehen zu verorten und zu vergegenwärtigen. Wahrnehmung ist nicht nur die Reaktion von Auge und Gehirn auf vielzählige Reize, sondern auch die Interpretation des Wahrgenommenen im Kontext von Kultur, Erinnerung und persönlicher Erfahrung. Das gemalte Bild, ob abstrakt oder gegenständlich, besetzt sowohl Zeit und Raum innerhalb des Bilderrahmens als auch darüber hinaus. Unsere Augen sehen eine Erzählung entstehen oder stellen sie sich vor, auch wenn diese nicht immer physisch sichtbar ist.
Bildproduktion im digitalen Zeitalter führt zu einer Beschleunigung beim Sammeln, Verarbeiten und Aufnehmen von Information. Wir nehmen einen endlosen Strom von Bildern wahr, die vor unseren Augen und in unserem Unbewußten erscheinen.

Die Bilder der Ausstellung Why Can I Not See My Own Gaze? / Warum kann ich meinen Blick nicht sehen? sind über Augenhöhe gehängt, und dienen als Metapher für die kulturellen Einflüsse, die omnipräsent aber nicht unbedingt in unserem unmittelbaren Blickfeld sind.

Während die hohe symmetrische Hängung an ein Fries erinnert, stellt sie kein durchgehendes Muster dar, sondern eine Reihe von Interpunktionszeichen, die auf Ornament, Schrift und Narrative verweisen.

Mittels Malerei und Film beschäftigen sich Amelie Schlögelhofer, Charlotte Klobassa, David Gruber, Dorottya Kolocsai, Lena Geissberger, Paul Riedmüller und Verena Preininger mit Daseinszuständen und Entmaterialisierung.
Die teils abstrakten, teils gegenständlichen Bilder machen Gedankenprozesse greifbar, sie stellen dar, was und wie wir sehen.

Fotos: Peter Kainz